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05.02.2018 11:44
Kategorie: Fachberater

Auswinterung 2018

Alle Jahre wieder eilen wir beim ersten sonnigen Tag im Jänner/Februar zum Bienenstand und beobachten, ob alles fliegt! Wir Imker fragen uns, haben wir alles richtig gemacht? Haben wir nicht zu viel behandelt, aber auch nicht zu wenig? Oder müssen wir das Behandlungskonzept überdenken? Lesen Sie hier einen Bericht zur Auswinterung 2018 von WL BWM Ing. Herbert Pointner M.A., Bundeslehrreferent.


Wie geht es den Bienen 2018 - Auswinterung?

Alle Jahre wieder eilen wir beim ersten sonnigen Tag im Jänner/Februar zum Bienenstand und beobachten, ob alles fliegt! Wir Imker fragen uns, haben wir alles richtig gemacht? Haben wir nicht zu viel behandelt, aber auch nicht zu wenig? Oder müssen wir das Behandlungskonzept überdenken?

Die Witterung …
Der September des letzten Jahres brachte sehr kühle Temperaturen, worauf die Bienen schon zeitig reagierten: fast alle Völker waren bei meinem Bienenstand aus der Brut gegangen. So etwas kommt selten vor und man könnte beinahe schon die Restentmilbung durchführen. Doch der Winter kommt bestimmt! Im Oktober und teils im November war wieder Brut vorhanden. Mitte November konnte schließlich der erste Frost gemessen werden. Schnell wird dieses Datum notiert und 21 Tage dazugerechnet. Also Restentmilbung ab Nikolaus, wenn das Wetter kühl bleibt. Tatsächlich hat der Dezember frostig kalt begonnen und der erste Schnee kam. Die Restentmilbung durch beträufeln war bei rund 0 bis -5°C nach Maria Empfängnis gut durchzuführen. Doch schon ab Mitte Dezember wurde es wärmer und die Bienen gingen wieder in Brut. So konnte ich bereits am 29. Dezember 2017 bierdeckelgroße Brutnester vorfinden.
Ein Kollege aus Tschechien konnte dies nicht glauben und hat mit mir auch noch den 2. Bienenstand besichtigt – wieder das gleiche! Vielleicht sogar noch mehr Brut. Hier standen die Völker direkt der Sonne zugewandt (S/O). Der erste Stand hatte eine östliche Ausrichtung. Gleich am nächsten Tag bekam ich von ihm die Nachricht aus Tschechien: Keine Brut – Seehöhe ca. 200 m und viel mehr Nebel. Nun die Frage, was ist für die Frühjahrsentwicklung besser?
Der Jänner 2018 ist für die Jahreszeit zu warm. Vielleicht haben dies meine Bienen gespürt? Wie auch immer, die Wintertraube löst sich bei Temperaturen von 4-12°C schnell auf und es wird Futter umgetragen, wie im folgenden Bild ersichtlich.


Erster Polleneintrag
Erste Reinigungsflüge fanden statt und am 6. Jänner wurde bereits frischer Pollen gesammelt.
Manch Imker nutzt gleich die Möglichkeit, die toten Bienen vom Boden zu entfernen. Teilweise wurde auch bei einzelnen Völkern das Flugloch mit toten Bienen verlegt. Wenn dies der Imker nicht bemerkt, kann dies zum Verenden des ganzen Volkes führen.


Erster Eingriff
War die Winterzeit geprägt von Sturmsicherung der Völker, dem Schutz vor Mäusen, Spechten etc. und dem Reinigen des Bodens, so beginnt bei warmen Temperaturen die erste „wirkliche“ Nachschau bei den Völkern. Dazu muss guter Flugbetrieb vorherrschen (also über 12°C), und der Schnee sollte vor dem Bienenstand geschmolzen sein. Nun wird auf Futtervorrat durch Anheben der Beute von hinten geprüft. Völker, die sehr leicht sind, werden vorgemerkt und später mit überschüssigen Waben aus anderen Völkern versorgt. Sind schimmelige Waben vorhanden, so gehören diese entfernt. Meist ist eine Anpassung des Brutnestes durch die Wegnahme einer Zarge oder dem Einsetzen eines Schiedes erforderlich. Wird bereits Pollen getragen, so ist mit großer Sicherheit eine Königin vorhanden und diese braucht nicht extra gesucht zu werden. Dieser Eingriff sollte gut vorbereitet und zügig erfolgen, um den Wärmehaushalt des Volkes nicht unnötig zu stören.


Für Wärme sorgen
Gerade im Frühjahr sind für den Aufbau eines starken Volkes eine gute Isolierung noch oben und das Schließen des Bodens sehr hilfreich. Je wärmer – desto stärker der Bruteinschlag. Die alte Faustregel – 40 Tage vor Trachtbeginn sollen die
Völker stark brüten, damit viele Flugbienen zum Honigsammeln vorhanden sind - hat immer seine Gültigkeit.


Futterreserven beobachten
Im Jänner und Februar hat im Normalfall jedes Volk genug Futter im Brutraum. Nur wenn ein Volk im Herbst noch stark beraubt worden ist, kann es Probleme geben. Im März muss die Futterreserve jedenfalls kontrolliert werden. Dies geht einher mit der Frühjahrsrevision. In die kritische Phase kommen wir im April. Da braucht ein Volk bis zu 10 kg Futter. Davon wird je nach Witterung bereits 3 bis 5 kg von außen herangetragen. Ist jedoch das Wetter schlecht, dann muss noch genug von der Auffütterung vorhanden sein – also mind. 5 kg.


Bienentränke
Da das Winterfutter stark eingedickt wurde, um haltbar zu sein, muss nun von den Bienen auch viel Wasser zum Auflösen des Winterfutters herangeschafft werden. Auch für die Brut ist Wasser mit Mineralstoffen erforderlich. Eine einfache Bienentränke in Form eines verschlossenen, umgedrehten Kübels mit Wasser, an dem im Bereich des Deckels kleine Löcher gebohrt wurden, erfüllt diesen Zweck auf einfache Art.
Um die Haltbarkeit zu verlängern, gibt man einen Esslöffel Salz hinein. Bienen brauchen für die Brut auch Salz. Vergessen Sie nicht, die Bienentränke wirklich zeitig aufzustellen. Bei der Frühjahrsrevision sollte sie schon vorhanden sein. Da das Wasser im Kübel schneller warm wird als umliegende fließende Gewässer, nehmen es die Bienen auch gerne an.
Nun wünsche ich allen eine gute Auswinterung und wieder ein ähnlich gutes Honigjahr wie 2017.


WL IM Ing. Herbert Pointner M.A.,
Lehrreferent
E-Mail: h.pointner(at)gmx.at

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