< Vorheriger Artikel
08.08.2018 08:43
Kategorie: Fachbeiträge

Insektenschutz – Ursachen und Maßnahmen gegen den Rückgang, Dr. Claudia Garrido


Die Nachricht über einen massiven Rückgang an Insekten hat diese oft verkannte Tiergruppe mehr in den Mittelpunkt gerückt. Wie der Entomologische Verein Krefeld in einer Untersuchung über 27 Jahre hinweg festgestellt hat, gibt es vor allem im Sommer weniger Insekten. Auch aus anderen Ländern gibt es ähnliche Ergebnisse, aber meist nur für einzelne Insektengruppen. Am besten untersucht wurden Falter, allerdings gibt es Hinweise darauf, dass andere Insekten wie Hautflügler (Bienen, Wespen, Ameisen) oder Libellen stärker gefährdet sind.

Insekten sind nicht nur wichtige Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen, sondern auch natürliche Schädlingsbekämpfer, Bodenverbesserer und die Nahrungsgrundlage vieler Vögel und anderer Tiere. Ihr Rückgang bringt das ökologische Gleichgewicht durcheinander und gefährdet auch andere Lebewesen. Der Insektenschwund ist im Offenland besonders stark ausgeprägt, daher wird der

Landwirtschaft die Hauptschuld an ihm gegeben. Vor allem die kürzlich von der EU-Kommission verbotenen Neonikotinoide standen auf dem Pranger.

Wichtiger als Verbote einzelner Substanzen ist allerdings, dass integrierter Pflanzenschutz stärker gefördert wird. Das bedeutet, Pestizide „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ einzusetzen, nur wenn der Schädlingsbefall bestimmte Schwellen übersteigt. Um das umsetzen zu können, brauchen

die Landwirte mehr Informationen über Alternativen zu herkömmlichen Pestiziden.

Weitere Ursachen für den Rückgang von Insekten wie der Verlust von Lebensraum, der Klimawandel oder Krankheiten werden bei der Diskussion um die Landwirtschaft als Hauptschuldigen oft aus den Augen verloren. Dabei brauchen viele Insektenarten das Offenland und wären ohne die Landwirtschaft gar nicht bei uns heimisch. Weniger Pestizide sind daher nur ein Element für den Insektenschutz. Zusätzlich muss ihr Lebensraum, wie Hecken und Feldraine oder auch artenreiche Wiesen stärker geschützt werden. Und auch im eigenen Garten kann jeder etwas für Insekten tun: üppige Pflanzen statt des immer mehr verbreiteten Rasen- und Kies-Einerleis könnte Lebensräume miteinander verbinden und so einen Beitrag zum Insektenschutz leisten.