25.01.2008 00:00
Kategorie: Bio-Imkerei
Von: Christian Boigenzahn

Ökologische Bienenhaltung

In der EU Verordnung über den ökologischen Landbau wird auch die "Ökologische Imkerei" geregelt.


Ökologische Bienenhaltung

Auch die ökologische Bienenhaltung ("Bioimkerei") wird durch diese Verordnung geregelt.
Das es immer wieder Mißverständnisse gibt, was nun eigentlich den Unterschied zur konventionellen Imkerei ausmacht, haben wir einen eigenen Menüpunkt "Bio Imkerei" geöffnet, wo wir über diese Thematik ohne Emotionen, nüchtern und klar berichten werden. Eines darf nämlich nicht passieren: Es darf keine "Zwei -Klassen -Imkerei" entstehen, die sich gegenseitig mit Mißtrauen betrachtet und schlecht macht.
Um klare Verhältnisse zu schaffen, ist es wichtig zu wissen, wobei es bei der ökologischen Bienenhaltung tatsächlich geht.

Für die Anerkennung als Bio-Imkerei ist die Einhaltung der europ. Vorgaben lt. Richtlinienkatalog nötig. Der derzeit wesentlichste Unterschied zur konventionellen Imkerei ist, dass das Betriebswachs absolut frei von Rückständen aus Varroa- und Wachsmottenbekämpfungsmittel sein muss. Wenn Rückstände vorhanden sind (muss überprüft werden), ist eine Umsiedlung der Bienenvölker auf rückstandsfreies Wachs (Mittelwände) nötig. Alle weiteren Maßnahmen, außer Kunststoffverwendung sind kurzfristig zu bewältigen und in den Richtlinien gut angeführt. Für Information und Vorgangsweise bei der Umstellung, gibt es Einführungskurse in der Imkerschule.

Aufstellung der Bienenvölker

"Der Standort von Bienenstöcken muss so gewählt werden, dass Nektar- und Pollenquellen vorhanden sind, die im Wesentlichen aus ökologisch/biologisch erzeugten Pflanzen oder gegebenenfalls aus Wildpflanzen oder nichtökologisch/nichtbiologisch bewirtschafteten Wäldern oder Kulturpflanzen bestehen, die nur mit Methoden bewirtschaftet werden, die eine geringe Umweltbelastung mit sich bringen. Der Standort von Bienenstöcken muss sich in ausreichender Entfernung von Verschmutzungsquellen befinden, die die Imkereierzeugnisse kontaminieren oder die Gesundheit der Bienen beeinträchtigen können."
Besteht Verdacht auf zu hohe Schadstoffbelastungen, sind die Bienenprodukte zu untersuchen. Bei Bestätigung des Verdachts ist der Standort aufzugeben. In einem Umkreis von 3 km muss die Bienenweide im wesentlichen aus Pflanzen des ökologischen Landbaus, Waldungen und pflanzen, die auf Flächen des ÖPUL-Programms angebaut werden, bestehen.
Der Bienenstand muss sich in ausreichender Entfernung von jedweden möglichen nicht- landwirtschaftlichen Verschmutzungsquellen, wie z. B. städtischen Gebieten, Autobahnen, Industriegebieten, Abfalldeponien, Abfallverbrennungsanlagen usw. befinden.

Bienenwohnung

Die Bienenwohnungen -mit Ausnahme von Verbindungselementen, Dachabdeckung, Gitterboden und Fütterungselementen -sind vollständig aus natürlichen Materialien (Vollholz, Stroh oder Lehm) zu fertigen.

Reinigung und Desinfektion Die Reinigung und Desinfektion der Bienenwohnung ist ausschließlich mit Wasser und Dampf, Abflammen, Natronlauge und Soda (Natriumcarbonat)

Betriebsweise

Völkervermehrung und züchterische Auslese
Die Vermehrung der Bienenvölker ist dem natürlichen Verlauf der jahreszyklischen Entwicklung des Bienenvolkes anzupassen. Die Verwendung gentechnisch manipulierter Bienen ist nicht erlaubt. Bei der Zucht ist auf Widerstandskraft der Bienen gegen Krankheiten und Parasiten größtes Augenmerk zu legen. Das Flügelstutzen bei Bienenköniginnen ist verboten. Die künstliche Besamung ist zur Erhaltung der Reinheit der Bienenrassen erlaubt.

Zukauf von Völkern und Königinnen
Zukauf von Völkern und Königinnen Die Betriebsweise stützt sich vorwiegend auf den eigenen Völkerbestand. Ein Zukauf ist nur aus Betrieben mit biologischer Bienenhaltung möglich. Zur Erneuerung des Bestandes dürfen jährlich 10 % der Königinnen bzw. der Schwärme aus konventioneller Herkunft zugekauft werden. Im Rahmen einer Ausnahmeregelung genehmigt die Kontrollstelle im Fall einer hohen Sterberate der Bienenvölker aus gesundheitlichen Gründen oder in Katastrophensituationen den Wiederaufbau des Bestandes aus konventionellen Bienenvölkern (Schwärme), wenn keine Völker aus biologischer Bienenhaltung verfügbar sind; in diesem Fall gilt der Umstellungszeitraum .

Wabenbau

Als Wachs für die Herstellung von Anfangstreifen oder Mittelwänden wird nur Wachs aus einem biologisch wirtschaftenden Betrieb verwendet. Ist Bienenwachs aus biologischer Bienenhaltung nicht erhältlich, kann in der Umstellungszeit auf nachweislich rückstandsfreies Bienenwachs (Entdeckelungswachs) anderer Herkunft zurückgegriffen werden.

Wachsverarbeitung

Der Wachskreislauf ist innerbetrieblich aufrecht zu erhalten. Bei der Verarbeitung in einem Fremdbetrieb muss unter kontrollierten Bedingungen das eigene Bienenwachs verarbeitet werden. Bei der Wachsgewinnung dürfen weder Lösungs- noch Bleichmittel verwendet werden.

Fütterung

Honig und Blütenpollen sind die natürliche Nahrungsgrundlage der Bienenvölker und sollen immer in ausreichender Menge im Bienenvolk vorhanden sein.
Wintereinfütterung Hat das Bienenvolk für die Einwinterung nicht ausreichend geeignete Honigvorräte, darf Zucker gefüttert werden. Für die künstliche Fütterung ist ökologischer Honig, vorzugsweise aus derselben ökologischen Einheit, zu verwenden. Im Rahmen einer ersten Abweichung können die zuständigen Behörden des Mitgliedstaates die Verwendung von ökologischem Zuckersirup oder ökologischer Zuckermelasse anstelle von ökologischem Honig für die künstliche Fütterung zulassen, insbesondere wenn eine Kristallisierung des Honigs aufgrund der klimatischen Verhältnisse dies erfordert.
Im Rahmen einer zweiten Abweichung können Zuckersirup, Zuckermelasse und Honig, die den Vorschriften dieser Verordnung nicht entsprechen, während eines Übergangszeitraums, der am 24. August 2002 abläuft, von der Kontrollbehörde oder Kontrollstelle für die künstliche Fütterung zugelassen werden.
Notfütterung Sollte vor dem Einsetzen der ersten Tracht im Frühjahr eine Fütterung notwendig sein, kann diese bis 15 Tage vor dem Einsetzen der Tracht mit Zucker erfolgen. Sollte zwischen den Ernten eine Notfütterung erforderlich werden, darf diese ausschließlich mit betriebseigenem Honig erfolgen.
Fütterung von Schwärmen und Ablegern Zum Aufbau der Bienenschwärme und Ableger dürfen diese, wie es für die Einwinterung festgelegt ist, mit Zucker gefüttert werden.
Pollenfütterung Pollenersatzstoffe sind verboten.

Honiggewinnung

Die Entfernung der Bienen von den Honigwaben muss möglichst sanft erfolgen. Zur Beruhigung und Vertreibung der Bienen sind keine chemisch-synthetischen Mittel erlaubt. Waben, die Brut enthalten, dürfen nicht zur Honiggewinnung verwendet werden.

Bienengesundheit

Die Maßnahmen der biologischen Imkerei sind darauf ausgerichtet, die Selbstheilungskräfte und die Vitalität der Bienenvölker zu erhalten. Biotechnischen und biologischen Maßnahmen ist bei der Krankheits- und Schädlingsbekämpfung der Vorzug zu geben. Sie dürfen aber nur so eingesetzt werden, dass eine Kontamination des Honigs ausgeschlossen ist. Die Bestimmungen des Bienenseuchengesetzes gelten aber jedenfalls.

Aufzeichnungen

Folgende Aufzeichnungen sind zu führen: .ein Standortplan mit einem Verzeichnis der Bienenstände (Plan, Kataster) .ein Wanderplan mit Standort, Anzahl der Bienenvölker, Zeitraum und Erntemenge .eine Völkerbestandsliste mit durchlaufender Nummer (z. B. Stockkarte) .ein Behandlungsbuch zur Aufzeichnung über die Behandlung von Bienenkrankheiten und Schädlingen (z. B. Stockkarte) .allgemeine Aufzeichnungen über Erntemengen, Zukauf, Verkauf und Verarbeitung (Warenfluss )

 

Anerkennung

Jeder Neuantragsteller muss eine 12-monatige Umstellungsphase durchlaufen. Während der Umstellungszeit ist das Bienenwachs durch ökologisches Bienenwachs auszutauschen. Wenn nachweislich unbelastetes Bienenwachs vorliegt, ist der Austausch nicht notwendig.


Dateien:
EU_VO_2092_91_48fa.pdf510 K